Forum Vetoniana

Dr. Friedrich Winkelmann
(Josef Auer)

beim Erwerb des Gutes in Pfünz mitgewirkt hat. Der größte Teil des Besitzes hat aber Winkelmanns Mutter gehört.
Die Gemeindeprotokolle geben Auskunft darüber, daß im Jahre 1888 Abstimmungen nach der Steuerkraft der Gemeindemitglieder vorgenommen wurden.
Die restlichen stimmberechtigten Gemeindemitglieder hatten je 1 Stimme.

Wenn bei größeren Anschaffungen die Gemeindekasse in Schwierigkeiten kam, wurden vom Gemeinderat zur Behebung des Haushaltsdefizits in der Regel die Umlagenhundertsätze angehoben; dazu war aber zumindest in der Zeit zwischen 1902 und 1914 die Zustimmung der Höchstbesteuerten erforderlich, die zusammen mehr als ein Drittel der Gemeindeumlagen zahlten - also die Hauptbetroffenen von Steuererhöhungen waren. Zu den Höchstbesteuerten gehörte neben Beyer und Reißer die Privatiere Friederike Winkelmann. In der Regel nahm Fritz Winkelmann in Vertretung seiner Mutter an den Abstimmungen teil. Dies war z. B. im Jahre 1908 der Fall bei der Anschaffung der erst im Jahr 1996 wieder restaurierten Orgel.
Am 9. März 1904 gestattet der Gemeinderat „Friedrich Winkelmann und seiner Ehefrau auf Lebzeit, über die Gemeindewiese an der Straße Plan-Nr. 395 auf den Lehnhof zu gehen, seine Leute gehen zu lassen, gegen Abgabe von 20 M jährlich".

Der Archäologe Winkelmann
Wir sahen, daß Winkelmann von seinem Lehrer Keller in Oehringen ein besonderes Interesse für die Römer mitbrachte. Und nun lagen seine Grundstücke zum Teil auf der Höhe südlich vom Ort Pfünz, dem sogenannten Altkirchenfeld, im Gebiet eines, wie sich bald zeigen sollte, an römischen Kulturresten reichen Bodens, nämlich im Kastell Pfünz. 1894 begann er mit der Aufdeckung der im Boden steckenden Ruinen und er setzte diese Grabungen durch lange Jahre fort.
1886 wurde auf sein Betreiben der Historische Verein Eichstätt gegründet und auf der Willibaldsburg eine Sammlung angelegt. Einen

(Fortsetzung auf Seite 3)

Winkelmann in Pfünz
Archäologe, Bauer und Gemeinderat


Dr. Friedrich Winkelmann lebte und arbeitete von 1882 bis 1910 in Pfünz. Berühmt ist er wegen seiner Ausgrabungen am Pfünzer Kastell und als Limeskommissar geworden. Aber was wissen wir sonst über ihn?

Herkunft
Sein Vater, Karl Friedrich Winkelmann, geb. am 19. April 1822, war Hofapotheker in Oehringen. Am 25. Febr. 1851 heiratete er Friederike, die Tochter des verstorbenen evang. Pfarrers Tobias Tiberius Friedrich Jopp von Kirchheim am Ries. Am 24. Dezember 1852, also am Heiligen Abend, kam ihr Sohn Friedrich Theodor Winkelmann, zur Welt.
Friedrich besucht von Mai 1862 an die Lateinschule in Oehringen, wo der 1838 in Tübingen geborene Historiker Otto Keller sein Lehrer war. Diesem verdankte Winkelmann sehr viel, besonders sein großes Interesse für das römische Altertum. Keller hat 1871 eine Schrift Vicus Aurelii herausgegeben, in der er das ganze damalige Wissen über die Vorgeschichte und die römische Zeit von Oehringen und seiner Umgebung zusammengestellt und geschichtlich ausgewertet hat.. Keller war auch bei den Funden zugegen, die beim Bau der Eisenbahn 1861 in Oehringen gemacht worden sind. Sein gelehriger Schüler Winkelmann war damals noch nicht neun Jahre alt, aber er hat noch in seinem 80. Lebensjahr mit Begeisterung von der Auffindung der römischen Bildwerke erzählt.
Nachdem Winkelmann die Lateinschule durchlaufen hatte, besuchte er zwei Jahre lang das

Gymnasium in Heilbronn. Da er vorhatte, Theologie zu studieren, lernte er hier nebenher Hebräisch. Immer mehr jedoch litt Winkelmann unter der Schwäche seiner Augen. Sie erlaubte ihm bald nicht mehr, in der Schule oder zu Hause schriftliche Arbeiten zu machen oder zu lesen. Und so mußte er zunächst auf seinen Plan, zu studieren, verzichten. Aber trotz seiner Behinderung machte er 1870 die Reifeprüfung und zwar als zweitbester des ganzen Landes. Daraufhin studierte er doch einige Semester in Tübingen, zunächst Philosophie, bald aber Medizin. Das Medizinstudium setzte er dann in dem 1871 deutsch gewordenen Straßburg fort bis zum Physikum. Das weitere Studium mußte er aber seiner Augen wegen aufgeben.
Er ging nun in eine Gartenbauschule und lernte Landwirtschaft. 1877 verließ seine Mutter Friederike Oehringen und zog nach Würzburg; der Vater war bereits 1866 verstorben.

Heirat und Bürgerrecht
1882 im Alter von 30 Jahren, ging Winkelmann nach Bayern und kaufte ein zunächst kleines Gut in Pfünz. Für den 11.11.1882 vermerkt das Protokoll des Gemeindeausschusses: „Nach vorausgegangen erfolgter Einladung erschienen heute die Gemeindebevollmächtigten in Pfünz. Das Gesuch des Fr. Winkelmann, um Verleihung des Bürgerrechtes wurde eingehend geprüft und beschlossen, es sei dem Fr. Winkelmann das Bürgerrecht zu verleihen. Einsprüche gegen seine Verehelichung wurden nicht erhoben." Winkelmann heiratete am selben Tag Anna Jopp. Sie war am 20. Dez. 1860 geboren und die Tochter des Gutsbesitzers Fr. Jopp in Rohrenfels bei Neuburg. 1890 siedelte seine Mutter - vermutlich mit seiner kleine Schwester Luise Friederike - von Würzburg zu ihm nach Pfünz über.

Der Schloßgutbesitzer und (Steuer-) Bürger
Im Laufe der Jahre vergrößerte er das Anwesen sehr und schuf eine stattliche Obstbaumschule.
Neben dem Schloß (alte Hausnummer 26), Burghaus (Nr. 27 1/3) und dem Krieglhof (Nr. 27 ½) gehörten der Familie Winkelmann wenigsten zeitweise die alten Hausnummern
12 und 20. Man darf annehmen, daß der Schwiegervater Jopp

ã Heimatverein Vetoniana Pfünz e.V.

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