Forum Vetoniana

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Vor etwas mehr als einem Jahr hatten Jochen Polak und Thomas Ochsenkühn den nordamerikanischen Kontinent mit dem Motorrad, ihr querschnittsgelähmter Freund Peter Kleinhans mit einem Pkw, durchquert. Mittel- und Südamerika blieb dann den beiden Motorradfahrern vorbehalten. Mit zahlreichen eindrucksvollen Bildern unterlegte Ochsenkühn seine Eindrücke, die er kurzweilig präsentierte. „Von Nord nach Süd" lautete der Titel, und die Besucher wurden von Land zu Land geführt. Alle Klimazonen der Erde wurden auf der Reise durchquert, und statt der ursprünglich geplanten 15.000 Kilometer wies der Tachometer am Ende fast 40.000 Kilometer auf. Viele persönliche Begegnungen und spontane Freundschaften mit den jeweiligen Landesbewohnern ließ Ochsenkühn Revue passieren. Auffallend sei dabei die sprichwörtliche Hilfsbereitschaft gerade in den ärmeren Ländern gewesen, die bei mehreren notwendigen Reparaturen an den Motorrädern dankbar angenommen wurde. Auch von mehreren gefährlichen Situationen wusste Ochsenkühn zu berichten, einige Stürze mit den Maschinen gingen aber glimpflich aus.
Die Besucher konnten anhand der gezeigten Dias nachvollziehen, dass das Ziel der Reise in Feuerland gerade noch rechtzeitig vor dem Einbruch des Winters in Argentinien erreicht wurde. Wegen des großen Interesses hat Thomas Ochsenkühn einen weiteren Vortrag in Obereichstatt, dem Heimatort seiner Reisebegleiter und etwas später in Eichstätt geplant.

Kastell als Kulisse für Gottesdienste
n diesem Jahr wurden äußerst emotionale Diskussionen in der Presse im Zusammenhang mit dem ökumenischen Kirchentag in Berlin geführt. Sie wissen was ich meine. Umso schöner ist es, wenn ein altes römisches Bauwerk dazu beiträgt, die Konfessionen ein Stück weit zu vereinen, wenigstens indirekt. So ist es in der evangelischen Kirchengemeinde Eichstätt Brauch, am Himmelfahrtstag einen Gottesdienst in der freien Natur zu feiern. Im Jahr 2003 hat man sich dafür das Nordtor des Kastells ausgesucht. Auch die katholische Kirchengemeinde der Heiligen Familie hat heuer diesen Platz genutzt und im August ebenfalls einen feierlichen Gottesdienst zelebriert. Josef Auer hat dazu in einer kurzen Ansprache auf die Bedeutung dieses geschichtsträchtigen Platzes hingewiesen:
Wie wir aus den Ausgrabungen Friedrich Winkelmanns wissen, befand sich etwa 40 m von der Nordwestecke des Römerkastells entfernt ein römischer Sedatustempel mit einem Radius der Kuppelhalle von etwa 4 Meter und des Säulenumganges von etwa 7 ½ Meter. Die Kuppelblume, ein steinerner Pinienzapfen, ist im Museum in Eichstätt zu sehen und erinnert noch an diesen Tempel.
In der Mitte des 8. Jahrhunderts stand eine christliche Kapelle aus Holz auf dem Kirchberg, um 1200 eine kleine Stein-Basilika. Eine durchschnittlich 90 cm starke Trockenmauer umgab die Kirche samt Friedhof und einer 4 m tiefen Zisterne. Die Bauern hatten sich hier im Mittelalter einen festen Zufluchtsort in Notzeiten geschaffen.
1523 wurde die Kirche im Dorf eingeweiht; zumindest zeigt der Schlußstein in der Apsis diese Jahreszahl. Das Patronat St. Nikolaus wurde auch auf die neue Kirche übertragen. Bereits in der alten Kirche auf dem Kirchberg stand eine Nikolausfigur; nach Fertigstellung der neuen Kirche wurde der Nikolaus dorthin übernommen. Der Sage nach wanderte der Nikolaus immer wieder in seine alte Kirche zurück, sooft er auch von den Dorfbewohnern wieder heruntergeholt wurde, bis er in einer feierlichen Prozession überführt wurde. Die alte Nikolauskirche auf dem Berg verfiel immer mehr. Obwohl der Sage nach die Kapelle erst im 30jährigen Krieg 1618-1648 zerstört wurde, fand sie Generalvikar Priefer bereits 1601 in Ruinen: von der Nikolauskirche auf dem Kirchberg stehen noch die Wände ohne Dach. Die Kapelle war, wie eine Notiz aus diesem Jahre sagt, seit Menschengedenken eine Ruine.
1676 bemühte sich die Gemeinde um die Wiederherstellung der Kapelle. Sie erbot sich, das nötige Holz zu liefern und Hand- und Spanndienste zu leisten. Der zuständige Pfarrer von Pietenfeld stellte beim Geistlichen Rat in Eichstätt einen entsprechenden Antrag. Der Geistliche Rat aber hielt es nicht für angebracht, die - wie es heißt - seit etlichen hundert Jahren öd stehende Kapelle zu reparieren. Man lobte zwar den Eifer, hielt aber die Frage in solch bedrängten geldlosen Zeiten nicht für spruchreif. In der Folge verfiel die Kirche gänzlich.
In der Steuerbeschreibung von 1696 findet man noch „den Weg, wo man auf den Berg zur alten Kirche geht"; er begann etwa beim alten Gefrierhaus zwischen den Anwesen Reißer und Meyer. Er war für Fußgänger noch lange der normale Weg vom Dorf auf den Kirchberg.

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